2015

3 Tage Kaiserstuhl Entdeckungstour

In den Kaiserstuhl, wo der Weinanbau erstmals im Jahr 769 urkundlich erwähnt wurde, fünfzehn Jahre nach der ersten Dokumentation in Worms-Pfeddersheim, führte die diesjährige viertägige Reise des „Ordens der Freunde des Pfeddersheimer Weins e.V.“ Bereits über vierzig Jahre gehört es zu den Zielsetzungen des Ordens, andere Weinanbaugebiete und ihre Kulturstätten kennen zu lernen. Inselartig ragt der Kaiserstuhl aus dem breiten südlichen Oberrheinischen Tiefland heraus. Das 556 Meter hohe kleine Mittelgebirge vulkanischen Ursprungs gehört zu den bedeutendsten nationalen Geotypen Deutschlands. An manchen Stellen ist der Kaiserstuhl von einer bis zu 40 Meter dicken Lössschicht bedeckt, die während der vegetationsfreien Eiszeit durch Auswehung aus dem Rheinschlamm abgelagert wurde. Von Wind und Regen durch die Vogesen auf der linken Rheinseite und den Schwarzwald im Osten geschützt, gehört das kleine Mittelgebirge zu den wärmsten Regionen Deutschlands. Klima und Bodenbeschaffenheit bieten somit ideale Voraussetzungen zur Erzeugung von hervorragenden Weinen. Wein- und Kulturbotschafter gaben den Ordensmitgliedern Einblicke in typische Lebensräume des Kaiserstuhls: den Hohlwegen, der artenreichen Flora und Fauna und den unterschiedlichsten Formen des Terrassenweinbaus. Burgunderweine bilden mit 70 % die Hauptrebsorte, gefolgt von 20 % Müller-Thurgau. Anfang des 20. Jahrhunderts schlossen sich im Kaiserstuhl viele Winzer in Winzergenossenschaften zusammen, um in wirtschaftlich schweren Zeiten eine Existenssicherung mit Zukunftsperspektive zu haben. Insgesamt gibt es derzeit achtzehn Winzergenossenschaften, die jeweils mehrere hundert Mitglieder zählen. Der Ausbau der Weine erfolgt vielfach im traditionellen Holzfass. Im Keller des Winzervereins Oberrotweil lagert das größte noch benutzte Holzfass der Region Baden. Im Jahr 1938 hergestellt mit einem Fassungsvermögen von 25000 Liter dient es der Reifung des Spätburgunder Rotweins bevor dieser in die Flasche gefüllt wird. Die Unterbringung der Weinfreunde erfolgte im Spitzenweinort Achkarren, mitten im Naturgarten des inneren Kaiserstuhls, wo man sich am Abend kulinarisch verwöhnen ließ. Ein Ausflug in die nur wenige Kilometer entfernte Stadt Freiburg beeindruckte alle Teilnehmer durch den besonderen Flair der Altstadt, das Münster, die unzähligen „Bächle“ und die verwinkelten „Gässle“. Die Rückfahrt nach Worms führte durch das Elsass zum Wallfahrtsort Odilienberg. Hier gründete die Heilige Odilia um das Jahr 700 ein Kloster. Vorsitzender Günter Bleise dankte dem Vorstand für die Detailplanung und erinnerte an den verstorbenen Ordensbruder Jürgen Germroth, dem Vorplaner dieser weinkulturellen Ordensfahrt.

Dieter Kirchner