23.9.2017 – Wormser Zeitung

Alte Sorten frisch gekeltert

HERBSTPROBE Weinfreunde besuchen Rebveredler und VDP-Weingut Gutzler in Gundheim

PFEDDERSHEIM/GUNDHEIM – (red).Die traditionelle Weinprobe am Stock des Ordens der Freunde des Pfeddersheimer Weins hat die Ordensmitglieder in diesem Herbst nach Gundheim in die Rebschule Martin und in das VDP-Spitzenweingut Gutzler geführt.

Die Rebschule Martin nimmt jährlich 1,5 Millionen Veredlungen von Rebsorten für die Weinproduktion, den Hausgarten und die Pergola vor. Die Teilnehmer erhielten einen Einblick in den technischen Ablauf der Rebveredlung. Mit der Veredlung leisten die Rebschulen einen wichtigen Beitrag zur Bestandserhaltung und Bestandserweiterung. Im Jahr 2015 hat die Rebschule Martin zusammen mit dem Geobotaniker Andreas Jung das Projekt „Historische Rebsorten“ gestartet, denn beide sind der Meinung: „Man muss die Vielfalt der Natur bewahren, um auf einem breiten Fundament zu stehen.“

Historische Sorten könnten den Weinbau züchterisch und wirtschaftlich bereichern und den Winzern helfen, mit den Folgen des Klimawandels fertig zu werden, da sie sich über Jahrhunderte an ihre Umwelt angepasst und bewährt haben. Die Rebschule Martin hat historische Rebsorten in einem neuen Weinberg angelegt. Die Weinfreunde konnten unter anderem Trauben der Burgundersorte Arbst, die erst 2008 wiederentdeckt wurde, und Trauben der Sorte Fränkischer Burgunder, die bis 2009 als ausgestorben beziehungsweise als nicht existent galt, probieren und deren Weine, gekeltert vom Gundheimer Winzer Gutzler, verkosten.

Im VDP-Weingut Gutzler schloss sich eine Führung durch den Weinkeller an, zu dem auch ein aus aufbereiteten Ziegeln gebauter Fasswein-Gewölbekeller zählt, der zusammen mit dem offenen Boden für beste Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit beim Reifeprozess des Weins sorgen soll. Die Philosophie des Winzers bei der Rebstockpflege und der Weinbereitung spiegelte sich im Rahmen einer Probe von Guts- und Ortsweinen sowie Weinen aus VDP-Großen Lagen und Unikatweinen wider, die eine ausgeprägte Boden- und Sortentypizität zeigten.