23.10.2017 – Wormser Zeitung

Ordensfest: Freunde des Pfeddersheimer Weins ehren treue Mitglieder

 Günter Bleise, Katja Hattemer und Gunter Mahlerwein (v.li.) gestalteten das Ordensfest. Foto: photoagenten/Alessandro Balzarin

Von Michaela Weber

Mit einem herzlichen „Vivat Paternum – Vivat Vinum“, dem traditionellen Gruß des „Ordens der Freunde des Pfeddersheimer Weins“, begrüßte der Vorsitzende Günter Bleise am Samstagabend zahlreiche Vereinsmitglieder zum 43. Ordensfest im

evangelischen Gemeindehaus in Pfeddersheim. Passend zum Thema des Abends „200 Jahre Rheinhessen – im Rückblick“, für das der Historiker und Träger der Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz, Dr. Gunter Mahlerwein, als Referent gewonnen wurde, standen bei der Degustation von insgesamt zehn Weinen und Sekten historische Weine und Raritäten im Fokus, von denen sogar die Rheinhessische Weinprinzessin Katja Hattemer eingestehen musste, noch nie gehört zu haben.

 

Dennoch führte die ehemalige Traubenkönigin aus Gau-Algesheim charmant und kenntnisreich durch die Verkostung der verschiedenen weißen und roten Tropfen, von denen viele noch sogenannte Jungfernweine sind beziehungsweise sich im Versuchsanbau befinden. So gesellte sich zum 2016er Grünfränkisch, der erst ab 2018 im Verkauf sein wird, des Weinguts Goldsch

midt, das mit einem feinherben 2016er Riesling auch den Tischwein zum Essen stellte, ein 2015er Albarino mit spanischen Wurzeln vom Herrnsheimer Weingut Schmitt. Pfeddersheimer Lagen waren nochmals vertreten durch das Weingut Dirk Wendel mit einem robusten Grünen Veltliner und einem 2015er aus Südtirol stammenden Lagrein, den Markus Keller am Pfeddersheimer St. Georgenberg versuchsweis

e anbaut. Überraschen konnte der trotz roter Traube weiße 2016er Muscat d’Eisenstadt des Eicher Weinguts Menger, das bekannt ist für seinen Lutherwein und die Erhaltungszüchtung historischer Rebsorten. Ebenfalls auf eine lange Familienhistorie kann das Weingut Scherner-Kleinhanß zurückblicken, dessen 2016er Muskat Ottonel ein besonders kräftiges Bouquet aufwies. Das bereits in 9. Generation anfänglich als Mischbetrieb mit Viehhaltung bewirtschaftete Gut in Flörsheim-Dalsheim, deren Vertreter Günter Bleise an diesem Abend auch persönlich begrüßen durfte, sei typisch für die Weingüter in Rheinhessen, so Gunter Mahlerwein. Der Historiker, der 2005 das Museum der VG-Eich im

Gimbsheimer Storchenschulhaus gründete und seit 2009 Lehrbeauftragter am Historischen Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist, widmete sich in seinem Vortrag unter der Überschrift „Rheinhessen 1816-2016. Die Landschaft. Die Menschen“ der Geschichte Rheinhessens und seiner Bewohner. Er zeigte auf, wie das künstliche Konstrukt Rheinhessen entstanden ist und ging der Frage nach, wann und warum die Menschen hier begannen, sich selbst als Rheinhessen zu verstehen, welche gemeinsamen Erlebnisse und Erfahrungen konkret zum Zusammenwachsen der Region in der nur kurzen Zeitspanne von 200 Jahren führten. Abschließend ging er auf die Entwicklung und Besonderheiten des Weinanbaus in und um Pfeddersheim herum ein.

Für ihre jahrzehntelange Treue zum 1974 mit dem Ziel, eben diesen Pfeddersheimer Wein über die örtlichen Grenzen hinaus stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken gegründeten Orden wurden geehrt: Lothar Knab (40 Jahre), Wolfdietrich Weber (35 Jahre), Otto Bohn (25 Jahre). Ebenfalls 25 Jahre dabei (aber bei der Veranstaltung nicht anwesend) sind: Wolfgang Hasch, Gerhard Harnisch und Jürgen Aenis. Als neue Ordensmitglieder aufgenommen wurden: Traudel Christandt, Fritz Best und Gerhard Schnellbacher.