21.11.2017 – Wormser Zeitung

Im Müller-Thurgau-Land

Erfuhren viel Wissenswertes über den Weinanbau am Bodensee: die Fahrtteilnehmer des Ordens der Freunde des Pfeddersheimer Weins.
Foto: Dieter Kirchner

ORDENSFAHRT Freunde des Pfeddersheimer Weins erkunden Bodensee-Region

PFEDDERSHEIM – (red). Wo liegt die Wiege des deutschen Spätburgunders? An der Ahr, am Kaiserstuhl, im Rheingau oder in der Pfalz? Weit gefehlt: Am Bodensee ließ Karl III., ein Urenkel Karls des Großen, im Jahr 884 die ersten Spätburgunderreben anpflanzen. Dies erfuhren die Teilnehmer des Ordens der Freunde des Pfeddersheimer Weins auf ihrer Ordensfahrt an den Bodensee. Der Weinanbaubereich Bodensee ist mit 600 Hektar bestockter Fläche (60 Prozent Burgunder, 30 Prozent Müller-Thurgau) das kleinste Weinanbaugebiet Badens. Aber auch auf der Schweizer Seite, das sich das „Blauburgunderland“ nennt, gedeihen Spitzenweine.

Diese genossen die Ordensmitglieder bei einer Wein- und Käse-Degustation im restaurierten Klosterspital aus dem 13. Jahrhundert von Stein am Rhein. Da Wein und Kultur feste Bestandteile der Ordensmaxime sind, gehörte auch eine Stadtführung in Stein am Rhein und in Konstanz mit geschichtlichen Einblicken zum Programm. Bei einer Weinprobe im Staatsweingut Meersburg, das seit dem Jahr 1210 urkundlich belegt Weinbau betreibt, genossen die Weinfreunde nicht nur Spitzenweine, sondern erfuhren auch, wie der Bodensee zu einem mediterranen Klima beiträgt und die Terroirs den Weinen eine filigrane Eleganz und Fruchtigkeit verleihen.

Bei einer Bustour auf der Unesco-Welterbe-Klosterinsel Reichenau mit Führungen im Münster St. Maria und Markus und der Georgskirche sowie einer Weinprobe wurde nicht nur die religiöse und kulturelle Bedeutung der Insel aufgezeigt, sondern auch Details über Gemüsebau, Weinbau und Fischerei vermittelt. Im Rahmen der Weinprobe im Winzerverein Hagnau erlebten die Weinfreunde, wie der Weinprobensprecher in die Gestalt des streitbaren Pfarrers Dr. Hansjakob schlüpfte. Der Pfarrer erkannte die schlechte wirtschaftliche Lage der Bauern Anfang des 19. Jahrhunderts und gründete im Jahr 1881 die erste badische Winzergenossenschaft in Hagnau.

Ein Höhepunkt der Reise war eine kunsthistorische Führung durch das im Jahr 1134 gegründete Zisterzienser-Kloster und Schloss Salem. Salem ist zudem Wohnsitz und VDP-Weingut des Markgrafen von Baden und mit 135 Hektar das drittgrößte Weingut Deutschlands. Bei der Verkostung der angebotenen Weine und dem Genuss eines „Prälatentellers“ erfuhren die Weinfreunde die „Müller-Thurgau Story“. Wegen Missernten und der spät reifenden Eblingtraube war es in den 1920er Jahren schlecht bestellt um den Weinbau am Bodensee. In einer Aprilnacht im Jahr 1925 schmuggelten deshalb in einem Ruderboot zwei junge, als Fischer getarnte Burschen 400 Müller-Thurgau- Pfropfreben aus der Schweiz nach Deutschland, um sie heimlich am Bodensee zu pflanzen. Die Reben gediehen so gut, dass der Bodensee heute auch Müller-Thurgau-Land genannt wird. Ordensvorsitzender Günter Bleise dankte auf der Heimfahrt unter dem Beifall der 40 Teilnehmer Dieter Kirchner für die Organisation der gelungenen Exkursion.