„Ein Weingut stellt sich vor“

Ein interessanter und lehrreicher Nachmittag in den Weinbergen und im Weingut „Hinter der Kirche“ bei Oliver Knab und Gabi Jäger. 

Die vom Orden der Freunde des Pfeddersheimer Weins e.V. durchgeführte Veranstaltungsreihe „Ein Weingut stellt sich vor“, in der Pfeddersheimer Winzer ihre Weingüter interessierten Gästen nahebringen, wird immer beliebter und findet sehr viel Zuspruch und Anerkennung.

Deshalb konnte Vorstandsmitglied Werner Gradinger im Hof des Weingutes 36 Ordensmitglieder und Gäste begrüßen. Selbstverständlich durfte auch der Kerweborsch Marcel hierbei nicht fehlen. Bei der nun folgenden Begrüßung durch Oliver Knab mit einem 2018er Secco Rosee und der Erläuterung des Ablaufs der Veranstaltung konnten die Gäste schon erahnen, dass es ein interessanter, aber auch ein lehrreicher und humorvoller Nachmittag werden wird. Der Winzer des traditionsreichen Betriebes mit seinen 10 ha Anbauflächen absolvierte seine Ausbildung in Weingütern aus Rheinhessen, der Pfalz und in Kalifornien. Gekonnt und amüsant referierte er über die Unterschiede zwischen Bio- und konventionellen Weinbau. Während er für die Bildungsstätte Deutscher Landwirte in Bonn Seminare leitet, lässt er viele Arbeiten in den Weinbergen von Lohnunternehmen ausführen. Nach der Verkostung eines 2018er Grauen Burgunders begaben sich die Teilnehmer auf den Weg in die Weinberge, in denen außer weiterführenden Informationen auch eine weitere Auswahl von Weinen präsentiert werden sollte. Der nächste Halt geschah auf historischem, geschichtsträchtigem Boden, nämlich auf dem Gebiet des ehemaligen Benediktinerklosters St Georgen, dem Georgenberg, einer renommierten Weinlage in Pfeddersheim. Oliver Knab assoziierte die Wahl des Klosterstandortes mit dem im 10. Jhd. gegründeten Kloster durch die benediktinischen Mönche mit kosmischen und mystischen Einflüssen, die er etwas augenzwinkert mit der Qualität der heutigen Weinbergslage in Verbindung brachte. Nicht unerwähnt bleiben durfte die Tatsache, dass sich während des Bauernkrieges im Jahre 1525 die letzten Bauern, die aus der vom Wittelsbacher Kurfürsten Ludwig V. von der Pfalz zerstörten Stadt Pfeddersheim geflohen waren, sich in dem Kloster verschanzten und dieses deshalb stark verwüstet wurde. Nach zwei weiteren Degustationen, nämlich einen 2017er Riesling Paternus und einem 2018er Riesling St. Georgenberg und einem kritischen Blick zum Himmel, denn es war ja Regen angesagt, gelangten die Teilnehmer vorbei an Blühwiesen zu einem Weinberg, der zur Veranschaulichung für den Betrachter ohne die fachgerechte Betreuung und Behandlung durch den Winzer, schon nach wenigen Jahren stark verkümmerte. Die nächste Station war die sogenannte Bluthohloase, deren Weiterführung in die „Bluthohl“ in der Nähe von Mörstadt mündet. Am 23. und 24. Juni 1525 kam es in diesem Hohlweg zum entscheidenden Treffen. In dieser, einer der entscheidendsten Schlacht des gesamten Bauerkrieges, fanden tausende Bauern den Tod. Noch heute wird der ansteigende Hohlweg im Volksmund die „Bluthohl“ genannt, weil das Blut der erstochenen Bauern vom Ort des Grauens bis in die Stadt Pfeddersheim geflossen sein soll. Während der Verkostung von 2018er Sauvignon Blanc und einem 2018er Chardonnay rezitierte der Referent über ein rheinhessisches geologisches Merkmal, nämlich den Lössboden. Dieser Löss, der vorwiegend aus Schluff und feinem Sand besteht und in Jahrtausenden bei fehlender Vegetationsschicht ausgeweht wurde, dann sich bei dichterer Vegetation wieder ablagerte, wird im Laufe der Zeit durch Tonanteile wieder verkittet und ständig verändert, es bilden sich Kapillarröhren. Diese Röhren versorgen die Pflanzen, die auf der relativ dünnen Humusschicht auf dem Löss wachsen, mit Wasser. Daraus resultieren in Rheinhessen ackerbaulich sehr günstige Böden und daher eine hohe 

Fruchtbarkeit. Wieder im Weingut angekommen konnte der nun einsetzende Regenschauer den Teilnehmern nichts mehr anhaben. Bei einem deftigen Winzerteller konnten drei weitere hervorragende Weine verkostet werden. Nämlich eine 2018er Siegerrebe Auslese, einen 2018er Riesling und zum Schluss einen selbstkreierten 2017er Paterno Villa Rotwein Cuvee. Werner Gradinger konnte sich am Schluss nur noch bei den Teilnehmern und vor allem bei Oliver Knab für die hervorragende Wein Degustation und die sehr lehrreiche, auch pädagogisch kompetent und locker übermittelte Weinbergs Führung bedanken und auf die nächsten Veranstaltungen des Weinordens hinweisen. 

Peter Behringer