28. August 2010 – Wormser Zeitung

BÜGELTRUNK SORGT FÜR STIMMUNG

Der Orden der Freunde des Pfeddersheimer Weines machte im Oktober seinen Ausflug nach Südtirol. Schon auf der Fahrt gab es den obligatorischen Bügeltrunk, der für die nötige Stimmung sorgte. Bei schönstem Wetter, das den Weinfreunden während des ganzen Aufenthaltes erhalten blieb, ging es durch das Allgäu und Nordtirol nach Bozen, wo der Orden sein Hotel bezog.

Der nächste Tag war der Landeshauptstadt Bozen, in der heute etwa 80 Prozent der Bevölkerung italienischsprachig sind, gewidmet. Eine kompetente Führerin erklärte die Altstadt mit ihren Bauwerken und das politische System des Landes, in dem alle Ämter nach dem sprachlichen Proporzsystem besetzt werden. Am Nachmittag bummelten die Reisenden durch die Lauben und über den Obstmarkt. Dann sollte die Heimfahrt kommen, doch der Bus sprang nicht an. Kurz entschlossen versuchten ihn die Weinfreunde anzuschieben, ohne Erfolg. Professionelle Hilfe wurde angefordert. Rettung für die Stimmung brachte der Vorstandsbeschluss, die vorhandenen Weinvorräte zum Verzehr freizugeben. Das wurde noch getoppt, als Willi Eller sein Akkordeon hervorholte und aufspielte. Begeistert sangen die Weinfreunde mit und tanzten. So wurde aus der Panne ein echtes Erlebnis.

Am nächsten Tag ging es zur Laimburg in Auer. Dort ist die Fachschule für Obst-, Wein- und Gartenbau mit den dazugehörigen Lehr- und Versuchsanstalten untergebracht. Zunächst ging es in die Weinberge, wo erklärt wurde, dass in Südtirol hauptsächlich weiße Qualitätsweine, Weißburgunder, Gewürztraminer und Grauburgunder angebaut werden und der Anbau der roten Sorten Vernatsch, Lagrein und Blauburgunder rückläufig ist. Auch die Reberziehung hat sich geändert. Die meisten Trauben werden heute im Drahtrahmen erzogen, allein die Vernatschrebe wird in dem traditionellen Pergelsystem erzogen. Maschinen kommen kaum zum Einsatz wegen der steilen Hanglagen und der geringen Betriebsgrößen. Danach wurden die Kellerei und die Felsenkeller besichtigt. Das Weingut von Alois Lageder, einem Mann mit Visionen, war das Ziel des folgenden Tages. Bei der modernsten Kellertechnik hat man hier auf das Prinzip der Nachhaltigkeit gesetzt. Der Weinbau erfolgt biologisch unter Berücksichtigung des Mondkalenders. Überall im Weingut sind Astralplatten eingelassen, sie sind das Symbol für die Harmonie zwischen Mensch und Kosmos. Die Barrique-Weine reifen unter musikalischem Einfluss. Im Keller gibt es das Wiegenlied für Barrique und Streicher: Eine einminütige Sequenz von Johann Sebastian Bach wurde elektronisch auf eine Stunde ausgedehnt. Die Weinprobe mit hervorragenden Weinen wurde von Südtirols bestem Sommelier in gekonnter Weise geleitet. Danach ging es zum privaten Rebenmuseum Lieselehof, das 300 verschiedene Rebsorten vorhält. In der Weinkellerei Kastelaz wurden die Keller besichtigt, modernste Technik findet hier neben alten geschnitzten Fässern ihren Einsatz. Die Eigentümerin Elena Walch ist in der gesamten Weinwelt bekannt, weil sie von Anfang an konsequent auf Qualität gesetzt hat.