27. Juni 2016 – Wormser Zeitung

Wein, Kultur und Geschichte bestimmen seit 1974 die jährliche traditionelle mehrtägige Exkursion des Ordens der Freunde des Pfeddersheimer Weins e.V., die in diesem Jahr ins Maindreieck nach Unterfranken führte.

Hier beschreibt der Main eine markante Flussschleife und umschließt einen Teil des fränkischen Weinanbaugebietes, in dem die Muschelkalk und Keuper haltigen Böden vorwiegend die fränkischen Vorzeigerebsorten Müller-Thurgau und Silvaner Trauben reifen lassen, die mineralstoffhaltige und würzige Weine hervorbringen. „Sende mir noch einige Würzburger, denn kein anderer Wein will mir schmecken“, lautete ein Ausspruch des Dichters Johann von Goethe.

Davon konnten sich die Pfeddersheimer Weinfreunde nicht nur bei Weinverkostungen in Weingütern in Unterdürrheim und Sommerach sondern auch im Weingut Stiftung Juliusspital in Würzburg überzeugen, dessen Erlöse seit über 435 Jahren zur Finanzierung sozialer Aufgaben beitragen. Mit rund 177 Hektar ist die Stiftung Juliusspital das zweitgrößte Weingut Deutschlands nach den hessischen Staatsweingütern mit rund 200 Hektar mit ihrer Zentrale im Kloster Eberbach. Im 15. Jh. erreichte der fränkische Weinanbau mit 40 000 Hektar Rebfläche seine größte Ausdehnung. Ab dem 18. Jh. nahm die Anbaufläche ab. Heute ist das Weinanbaugebiet Franken mit ca. 6000 Hektar das sechstgrößte Weinanbaugebiet Deutschlands, das jährlich etwa 500 000 hl Wein produziert, etwa 6 % der gesamtdeutschen Weinproduktion. Die fränkischen Spitzenweine werden in den flachen, bauchigen Bocksbeutelflaschen abgefüllt. Im Jahr 2016 feiert Rheinhessen „100 Jahre Scheurebe“. Der bedeutende deutsche Rebzüchter Georg Scheu hatte den Sämling 88 im Jahr 1916, die später nach ihm benannte Sorte in Alzey, selektiert, die eine Kreuzung des Rieslings und der Bukettrebe ist.

Bei einem Ortsrundgang durch die unterfränkische Weinbaugemeinde Randersacker durften die Weinfreunde das Haus des Winzers Sebastian Englerth kennenlernen, der die Bukketrebe 42 Jahre zuvor, im Jahr 1864 gezüchtet hat. Unterfranken hat neben vorzüglichen Weinen auch prachtvolle Residenzen, große und kleine Kulturschätze zu bieten. Im mehr als 885 Jahre alten festlich illuminierten Hofkeller der fürstbischöflichen Residenz in Würzburg erlebten die Weinfreunde eine exklusive Weinprobe. Die Kapazität der Holzfässer beträgt ca. 600 000 Liter bei einer bewirtschafteten Rebfläche von 120 Hektar. Die Würzburger fürstbischöfliche Residenz, seit 1981 UNESCO-Weltkulturerbe, zählt zu den großartigsten Profanbauten Europas. Geschaffen wurde der Bau 1720-1744 unter der Leitung von Balthasar Neumann, einem der bedeutendsten Baumeister des Barock und des Rokoko in Süddeutschland. Auch in Veitshöchheim, dem Standort der Weinfreunde im Maindreieck, hat der geniale Baumeister bei der Erweiterung der Sommerresidenz der Würzburger Bischöfe seine Spuren hinterlassen. Da der Landesherr und Dienstherr von Balthasar Neumann, der Würzburger Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn, ein Bruder des Wormser Bischofs Franz Georg von Schönborn war, ist es nicht verwunderlich, dass Neumann den Auftrag zur Gestaltung des neuen barocken Hochaltars aus vergoldetem Holz und Marmor im Wormser Dom St. Peter bekam. Eine Schifffahrt auf dem Main machte den Fluss und seine am Ufer gelegenen typischen fränkischen Ortschaften und die landwirtschaftliche Nutzung des Frankenlandes nochmals erlebbar. Eine Mainschleifenrundfahrt führte nach Volkach zum Besuch der Wallfahrtskirche Maria im Weingarten, die mit der „Madonna im Rosenkranz“ (um 1500) ein bedeutendes Kunstwerk des Bildschnitzers Tilman Riemenschneider besitzt. Den Abschluss der Wein- und Kulturfahrt bildete die Einkehr auf die Terrasse des Schlosshotels Steinburg in der weltbekannten Weinberglage „Würzburger Stein“. Von hier erlebten die Teilnehmer einen grandiosen Blick auf die barocke Stadt Würzburg und den sich durch die fränkische Landschaft schlängelnden Main. Günter Bleise, Vorsitzender des Ordens der Pfeddersheimer Weinfreunde e.V. dankte unter dem Beifall der über 30 Teilnehmern Dieter Kirchner für die Organisation der weinkulturellen Exkursion ins Weinland Unterfranken.

D. Kirchner